Mut, Waffen und eine Vision: Wie Helden ihr Potenzial entfalten

Mut, Waffen und eine Vision: Wie Helden ihr Potenzial entfalten

Dieser Artikel ist ein Auszug aus "KernElemente der Psyche".

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Dein jetziges Sein und dein potenzielles, zukünftiges Sein vermischen sich.

Du bist nicht nur etwas, das jetzt ist. Sondern auch etwas, das etwas werden könnte. Beides für sich genommen übersteigt schon jegliche Vorstellungskraft. Unendliche Möglichkeiten entstehen.

Wer könntest du werden?

Wir erahnen die potenziellen Gefahren, aber auch Möglichkeiten, je nachdem, mit welchem Kontext wir uns konfrontiert sehen.

Ein Brief an sich löst noch keine Emotionen in uns aus. Der Kontext, das Potenzial, das darin verborgen ist, allerdings schon.

Nehmen wir an du bekommst zwei Briefe.

Nehmen wir an, der erste Brief ist von jemandem, in den du lange verliebt bist. Du wartest seit mehreren Wochen auf den Brief. Du siehst den Namen auf der Vorderseite und ein Herz. Der potenzielle Inhalt löst Vorfreude aus.

Nehmen wir an, der erste Brief ist vom Finanzamt. Du weißt, dass du 10.000€ Steuern nachzahlen musst und du hast bereits eine Warnung erhalten. Alleine der Name lässt erhöht deinen Puls und lässt dir Schweiß über die Stirn laufen. Dir wird eiskalt.

In beiden Briefen steckt ein Potenzial. Beide haben das Potenzial dazu, dein Leben zu verändern, positiv und negativ. Der zweite Brief vom Finanzamt trägt eine Kette von Potenzial in sich, eine Reihe von unangenehmen Herausforderungen. Mit dem Öffnen ist es schließlich noch nicht getan.

Wirst du dich dem stellen, was da auf dich wartet?

Wirst du die Verantwortung dafür übernehmen?

Oder wirst du es ignorieren und so tun, als ob alles in Ordnung wäre (obwohl du weißt, dass es nicht so ist)?

Das Potenzial von Chaos ist furchterregend, doch jeder Kampf mit dem Chaos lässt dich stärker werden. Die Ignoranz von Chaos führt dazu, dass sich das Chaos weiter ausbreitet und dich selbst in deinen Träumen heimsucht.

Der Gott Merkur, oben über Materia Prima, steht für alles, was unser Interesse weckt und uns inspiriert. Er ergreift Besitz von jemandem, der von einem Menschen, einer Situation, einem Ereignis in den Bann gezogen wird.

Der Sucher aus Harry Potter hat dieses Gespür, etwas in seinem visuellen und imaginären Sichtfeld erregt seine Aufmerksamkeit. Zuerst ahnt er das Potenzial des Fangens (der Gewinn des Spiels), also handelt er dementsprechend. Er ist zwar Teil des Spiels, aber er muss ignorieren, was die anderen tun. Von ihm liegt hauptsächlich der Ausgang des Spiels ab.

Was im psychologischen Sinne unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenkt ist unser Selbst. Es trägt die Werte in sich, aber auch die Kreativität des inneren Kindes. Du entstehst aus deinem Selbst heraus, nicht umgekehrt. Du wählst somit nicht dein Potenzial. Dein Potenzial wählt dich. Du ignorierst alles, was um dich herum geschieht, all das, worauf andere ihre Aufmerksamkeit richten. Nicht, weil du eine Wahl hättest, sondern weil du es musst. Du musst dir ausmalen, was möglich wäre und dann so handeln, dass es möglich werden könnte.

Wenn du etwas Neues erlebst, findest du heraus, was möglich wäre. Du sammelst neue Information, du wirst zu jemand Neuem. Dein Selbst macht dich zu einer völlig neuen Person, indem du so handelst, dass dein Selbst sich ständig entfalten kann. Dein Selbst ist kein "Sein". Es ist ein "Werden".

Zuerst suchst du also danach, was deine Aufmerksamkeit, was dein zukünftiges Selbst sein könnte (Schnatz/Ball).

Dann greifst du danach, hauptsächlich imaginär, indem du alles tust, was dafür notwendig ist, dieses zukünftige Selbst zu werden (Merkur).

Dann lässt es seine Informationen frei, die in sich und in dir stecken.

Daraus entfaltet sich dann die Welt, wie wir sie erkennen, im außen und im innen.

Dann manifestieren sich Gefahren und Möglichkeiten im außen und im innen (Drache).

Durch Chaos und Ratio und Ordnung und Emotion, vervollständigt sich das Potenzial in uns und in der Welt (Sonne und Jupiter).

Doch diese Konfrontationen mit Gefahren und Möglichkeiten, manifestiert sich das Potenzial in der Welt, wodurch es neue Möglichkeiten anzieht und neue Elemente der Persönlichkeit freigibt.

Derjenige, der das alles auf sich nimmt, wird als Held bezeichnet. Er überkommt, was er war und was sich in ihm in den Weg stellt, um etwas zu werden, was er werden will und werden könnte. Wenn Ordnung ignoriert wird, kehrt das, was die Welt beherrscht (Chaos) zurück und zerstört alles. Deshalb braucht es einen Helden, der die höchsten Werte verkörpert. Er bekämpft das Chaos und schafft dadurch noch höhere Werte. Was ist der höchste Wert des Helden? Das Heroische. DIe Integration des Kindes in ihm, die Integration von Gefühlen und Trieben und das höchste, was ihm zur Verfügung steht, in seine Persönlichkeit, also das Selbst, um dadurch überhaupt in der Lage zu sein, das Chaos zu beherrschen und zu besiegen.

Wer von seinem inneren Kind eingenommen wird, schafft zu viele Ablenkungen, zu viele Probleme. Er steht im falschen Schutz seines konditionierten Ichs, das ihm verbietet, sich mit Schrecken zu konfrontieren, denn die würden nur die Schreckliche Vergangenheit wiederholen und das will das konditionierte Ich vermeiden. Wer sein inneres Kind integriert, ist überhaupt erst dazu in der Lage, eine neue Zukunft zu erschaffen.

Dann, das Unbekannte in sich konfrontiert und integriert, ist man dazu in der Lage, höhere Werte zu erschaffen, nach ihnen zu streben, das Unbekannte in der Welt zu konfrontieren und dadurch zu wachsen.

Zwei Beispiele:

1. Pinnochio

"Erweise dich als mutig, wahrhaftig und selbstlos, und eines Tages wirst du ein echter Junge sein. Und lass dich immer von deinem Gewissen leiten."

Und unsere kleine Lieblingsgrille, Jiminy, erklärt in wortgewandten Worten...

"Diese stille kleine Stimme, auf die die Leute nicht hören wollen. Das ist einfach das Problem mit der heutigen Welt."

Das Gewissen ist das Selbst. Die "stille kleine Stimme, auf die die Leute nicht hören willen" ist ebenfalls das Selbst.

Pinnochio hört auf diese Stimme, doch alle anderen in dem Film tun es nicht. Sie verhalten sich kindisch, destruktiv und egoistisch. Pinnochio muss versuchen gut zu sein, während alle anderen sich bemühen, unfassbar schlecht zu sein.

Pinnochios Nase wächst, wenn er die blaue Fee belügt. Was bedeutet das? Die Fee stellt auch das Selbst dar. Das Selbst beobachtet uns beim Sprechen. Nimmt es wahr, dass wir lügen, leiden wir, auch wenn wir es nicht bewusst tun.

Die blaue Fee gab Pinnochio das Leben und befreite ihn aus seinem ersten Gefängnis. Außerdem gab sie ihm die Botschaft mit, dass sein Leben von nun an alleine bewältigt werden müsse.

Das bedeutet drei Dinge:

  1. Das Selbst macht uns lebendig, indem es uns Potenzial, Möglichkeiten und Interessen schenkt. Ohne die wären wir nur sprechende Affen.

  2. Das Selbst ist dazu in der Lage, uns aus unserem Gefängnis der Kindheit zu befreien, indem es die Verantwortung für das innere KInd übernimmt und es in seine Obhut nimmt.

  3. Das Selbst ist zwar auf unserem Lebensweg immer bei uns, doch letztendlich führen wir das Leben, wir treffen die Entscheidungen, wir übernehmen die Verantwortung.

Der Film war bisher nur implizit in seinen Botschaften. Als die Farben ändern, ändert sich auch die Stimmung. Der Kutscher bringt "dumme kleine Kinder" zur sog. "Vergnügungsinsel" und sagt, sie werden "nie wieder als Jungs zurückkommen". Auf der Insel können sie wortwörtlich tun, was sie wollen:

Trinken, was sie wollen, Ice-Cream essen, Bier trinken, Zigaretten rauchen, Kämpfe aus Spaß führen, Dinge zerstören. Alles explizit dargestellt.

Damit aber nicht genug: Die Kinder verwandeln sich auf der Insel in Esel, wo sie dann für monotone Arbeit ausgenutzt werden.

Was bedeutet das alles?

Der Kutscher ist ein pädophiler Kinderhändler, er stellt das personifizierte Böse dar. Die Jungs, die in ihrer kindlichen Naivität dachten, das Leben sei nur Spiel und Spaß, bezahlten letztendlich mit dem, was sie lebendig machte. Sie verloren ihre Würde und ihr Leben, sie lebten als ein Arbeitstier weiter, das nur frisst und schläft. Das ist die Analogie zur typischen Gesellschaft. Das ist das Spiel um uns herum, das wir ignorieren MÜSSEN, da wir ansonsten ein Teil davon werden. Das ist das Versprechen, der Masse zu folgen würde ewiges Vergnügen bedeuten, wobei es in Wahrheit ewiges Leiden bedeutet.

Damit aber nicht genug. Die Kinder erlebten ein Trauma, ihre Erwartung wurde zerstört, sie mit dem Bösen im Außen und im innen konfrontiert. Sie verloren ihre Sprache, indem sie sich zu Esel verwandelten. Ihre kindliche Seite wurde gewalttätig außeinandergerissen, durch ein Trauma. Implizit bedeutet das: Trauma bricht das innere Kind in uns. Doch wir müssen entfliehen, wie es Pinnochio auch tat, indem wir das kindliche wieder integrieren.

Was dann geschieht, ähnelt der Situation mit Harry so sehr, es ist fast schon lächerlich offensichtlich:

Pinnochio stirbt bei dem Versuch, seinen Meister Gipetto aus dem Magen des Wals zu retten, er stirbt, weil er sein Leben opferte, wie es auch Harry tat, oder zumindest wissentlich aufs Spiel setzte. Die blaue Fee rettet ihn, sie holt ihn zurück aus dem Reich der Toten. Pinnochios Eselohren und sein Eselsschweif sind verschwunden.

Was bedeutet das implizit?

Pinnochio wurde durch die Konfrontation mit dem Bösen traumatisiert.

Er bliebt traumatisiert und starb sogar, man könnte sagen lebendig.

Das Einzige, was ihn stärker machte, als zuvor, ist sein größtes Opfer zu erbringen (sein Leben) und sich dem zu stellen, was dort liegt, wo er am wenigsten suchen wollte, im Abgrund des Monsters, sich dort mit dem Chaos und dem Unbekannten zu konfrontieren und dann als neuer, stärkerer Junge hervorzugehen.

Pinnochio war das Einzige Kind, das dem schrecklichen Leben der Esel entkommen konnte. Alle anderen wurden zu Huftieren, die nicht mehr sprechen konnten, denen also ihr Menschliches entrissen wurde. Wir wissen nicht, was mit den Kindern passiert, die als Esel noch sprechen können, aber wir müssen davon ausgehen, dass der Kutscher sie tötete. "Holt ihn, er kann noch sprechen", rief er und zeigte auf Alexander.

Der Film ist ein fantastisches, düsteres Kunstwerk. Er erzählt die größte Wahrheit von allen, und macht damit seinem Namen alle Ehre. Während alle anderen Disney-Filme mit der Lüge "Glücklich bis ans Lebensende" protzen, sagt Pinocchio es dem Publikum direkt, nämlich folgendes:

Glücklich bis ans Lebensende nur für manche Menschen. Nicht für alle. Und für diejenigen, die es schaffen, braucht es Lügen, um dorthin zu gelangen. Es braucht Schmerz, Blut, Schweiß, Tränen und Missbrauch, bevor man es schafft, und wenn man es geschafft hat, ist man gezeichnet.

Der Rest... naja, sie werden wie Sklaven zur Arbeit eingesetzt und diejenigen, die auch nur die Fähigkeit haben, gegen die Bedingungen zu protestieren, denen sie ausgesetzt sind, werden zum Schweigen gebracht. Der Film macht einen guten Job, das zu verstecken, denn die dunkelste Geschichte, die Disney je erzählt hat, ist selbst mit Dunkelheit bedeckt. Am Ende sind die einzigen glücklichen Menschen Pinocchio und Gepetto. Alle anderen sind verzweifelt.

2. Harry Potter

Der Basilisk im Keller von Hogwarts ist das Chaos, Voldemort auch, der verbotener Wald, das trimagisches Turnier uvm. Harry konfrontiert sich mit dem Basilisken in der der Kammer des Schreckens, in die er nur gelangt, indem er das Abwassersystem benutzt (was man am sehnlichsten finden will, findet man dort, wo man am wenigsten suchen möchte), findet er die Bewusstlose Ginny, die er vor der tödlichen Schlange retten muss. Er schafft es und er wird als Held gefeiert. Weil alle den Helden lieben. Weil alle denjenigen lieben, der Chaos bezwingt. Wie kam er in die Kammer? Nur durch seine Fähigkeit, mit Schlangen zu sprechen. Nur durch seine Konfrontation mit dem Bösen in sich. Nur durch die Integration des Bösen in sein Selbst. Er bittete nicht die Schlange höflich darum, das Tor zu öffnen. Er bittete auch nicht den Basilisken höflich darum, Ginny nicht zu töten.

Nettigkeit und Regelkonformes Verhalten bezahlt man mit dem lebendigen oder realen Tod, denn die Monster da draußen und in uns kümmern sich darum reichlich wenig. Man mag sie zwar kurzfristig in Schach halten, doch das Böse in sich schwindet nur durch Integration und das Böse anderer schwindet nur durch Stärke und Konfrontation.

Chaos ist real, es ist tödlich und zerstörerisch. Als Harry den Basilisken töten will, bohrt sich sein giftiger Zahn in seinen Arm. Das ist die Gefahr, der er sich stellen muss. Wie wird Harry davor bewahrt zu sterben? Durch den Phoenix, der zuerst stirbt und dann regeneriert wieder lebendig wird. Das ist seine und die grundsätzlich notwendige Verwandlung: Die Pflicht, sich freiwillig dem Tod zu stellen, dem Chaos in sich und in der Welt, um daraus stärker oder zumindest nicht schwächer hervorzustehen. Das zudem ist das Gegengift für falsche Sicherheit und übertriebene Ordnung.

Harry konfrontierte sich mit dem Bösen in sich, in der Welt und in anderen. Er drängte das Chaos zurück bzw. nahm es auf und nutzte es um eine höhere Ordnung zu erschaffen. Das war sein Potenzial und sein Schicksal.

Potenzial: Waisenkind, lebt und wird von seinen vorsätzlich blinden Zieheltern drangsaliert. Doch in ihm Leben seine Mutter und sein Vater, Chaos und Ordnung. Sie sind das Potenzial und die Möglichkeiten, die in ihm schlummern. Ohne sie, wäre er nicht in der Lage gewesen, sein Potenzial zu entfalten.

Sein volles Potenzial wird freigesetzt, weil er dazu bereit war, sich dem zu stellen, wovon er bisher glaubte, dass es ihn töten könnte (Voldemort), um dann sich selbst, seine Freunde und sogar die ganze Menschheit zu retten. Von all den Opfern, die er auf sich nahm, war das heroischste wohl, dass er sich am Ende selbst opferte. Er opferte sein Leben, das wertvollste, was er besaß, weil er wusste, oder davon ausging, dass er nur so die Menschheit retten konnte. Es gibt nichts Heroischeres.

Was vereint diese und weitere Helden?

Sie besitzen

a) eine Vision

b) Mut und

c) Waffen.

Die Vision erschaffst du dir Selbst, es ist dein zukünftiges Selbst.

Dein Mut entsteht durch die Bereitschaft, alles zu schultern, was dafür notwendig ist.

Deine Waffen sind Disziplin, Charakterstärke und die Fähigkeit, etwas in der Gegenwart zu Opfern.

Diese Helden repräsentieren den erstrebenswerten Aspekt der menschlichen Vorstellungskraft. Sie setzen sich für das Gute ein und fördern das Wohlergehen der anderen. Sie kanalisieren ihr Traumata in etwas Positives und haben immer die Fähigkeit, sowohl Gutes als auch Böses zu tun. Entscheiden sich aber für das Gute und für das Böse nur, wenn es zu Gutem führt.

Warum nehmen die Helden all die Gefahren auf sich?

  1. Um das Chaos in sich zu integrieren.

  2. Um das Chaos von anderen auszuhalten.

  3. Um das Chaos der Welt auszuhalten.

  4. Um das Chaos der menschlichen Existenz aushalten.

Potenzialentfaltung integriert, was sich ohne Integration verselbstständigt und zu Chaos wird.

Potenzialentfaltung verstärkt, was notwendig ist, um das Chaos der Welt auszuhalten.

Potenzialentfaltung ist freiwillige Konfrontation mit dem Chaos, um das unfreiwillige Chaos erträglicher zu machen.

Potenzialentfaltung macht aus Chaos eine Ordnung und aus Ordnung wieder Chaos, wenn sie verkommen ist.

Hormonell passiert folgendes:

  1. Du strebst an, wer du werden könntest. Das Anstreben erschafft eine bessere Zukunft, wodurch Dopamin ausgelöst wird. Das macht die notwendigen Herausforderungen, also all das Chaos, was auf dich zukommen wird, erträglicher, vielleicht sogar irrelevant, wenn das angestrebte Ziel von immenser Bedeutung für dich ist.

  2. Das Anstreben führt dazu, dass Verhaltensweisen notwendig sind, die der Gruppe dienlich sind. Du musst schon per se in vielerlei Hinsicht stärker werden, um dein Potenzial auszuleben, sowohl mental, psychisch, geistlich, seelisch, als auch körperlich. Der Held ist in vielerlei Hinsicht nützlich für die Gruppe, er ist sogar so nützlich, dass es der Held ist, der in der Geschichte der Mensch nicht selten zum König erklärt wird. Das ist die Ebene des Serotonins.

Das Potenzial deines Selbst auszuleben, bedeutet also, dich dem Chaos in dir selbst, in der Welt und in anderen freiwillig zu stellen und es zu einer erträglichen Ordnung umzuwandeln. Wenn die Zukunft dann zur Gegenwart wird, wenn du dein Potenzial also vollständig ausgelebt und die damit verbundenen Ziele erreicht hast, erschaffst du ein neues zukünftiges Selbst, mit neuen Werten, mit neuem Potenzial, du machst aus einer Ordnung wieder ein Chaos, du erschaffst eine neue Zukunft, sodass aus dem restlichen Chaos wieder eine erträgliche Ordnung wird.

Jede Geschichte hat einen Anfang, der nicht gut erscheint.

Harry Potter gefangen unter der Treppe seiner zerstörerischen Verwandten.

Batman als Weisenkind, voller Hass dem Mörder seiner Eltern gegenübr.

Pinnochio der Grausamkeit der Welt, der Existenz und anderer ausgesetzt.

Jede Geschichte hat einen Endpunkt, der besser ist, als der Anfang.

Harry Potter, der das Chaos in der Welt, in sich und in anderen besiegt.

Batman, der das Chaos in der Welt, in sich und anderen besiegt.

Pinnochio, der das Chaos in der Welt, in sich und in anderen besiegt.

Ohne den Endpunkt überkommt entweder die Bedeutungslosigkeit und Langeweile oder alles rutscht ab in einen Abgrund aus Schmerz, Angst und Verzweiflung.

Jede Geschichte trägt das Potenzial von Chaos und Ordnung in sich. In jeder Geschichte wird der anfängliche Endpunkt neu erschaffen, da sich die Handlung verändert, wodurch der Held der Geschichte ebenfalls neu erfinden muss. Etwas in ihm muss wortwörtlich sterben, da ansonsten der neue Endpunkt nicht erreicht werden kann. Ein neuer Endpunkt braucht neue Fähigkeiten, neue Eigenschaften. Der Phoenix muss sterben, um besser und neu auferstehen zu können. Harry muss sterbem, um besser und neu auferstehen zu können. Pinnochio muss sterben, um besser und neu auferstehen zu können.

Was bedeutet "besser" werden?

Kognitiv, neurochemisch und psychologisch.

Kognitiv: Wer bereits Monster besiegt hat, wird in Zukunft wahrscheinlicher dazu bereit sind, weitere Monster zu besiegen. Sie erscheinen nicht mehr so schrecklich, aufgrund der Bewusstheit, dass man bereits Monster besiegen konnte. Das macht das Selbst größer, als es ohne den früheren Kampf wäre.

Wer das Böse, das Chaos, die Schrecken und Monster der Existenz erfolgreich bekämpfen will, muss bereit sein zu sterben, für sich, für seine Werte, für sein Selbst, für andere, für die Welt. Wessen Seele zur Veränderung bereit ist, der ist der gefährlichste Feind der dämonischen Schlangen.

Setze dir also ein Ziel.

Das anspruchsvollste Ziel, das du dir ausmalen kannst.

Arbeite darauf hin.

Erkenne deine Irrtürmer und Fehler

Bringe Ordnung in deine Geschichte.

Du musst wissen wo du warst, damit du nicht wieder dort landest.

Du musst wissen wo du bist, sonst kannst du es nicht mit deinem Endpunkt verbinden.

Und du musst wissen, wo du hinwillst, sonst zerstören dich Ungewissenheit und Chaos und du durstest nach Hoffnung.

Dein persönlicher Weg ist auf dem schmalen Grad zwischen Chaos und Ordnung.

Wenn sich ein neuer Weg vor dir entwickelt, gehe den, der herausfordernder erscheint.

Deine Ziele verändern sich, also veränderst auch du dich.

Dein zukünftiges Ich verändert sich, also verändern sich auch deine Werte.

Es entstehen neue Hoffnungen, neue Perspektiven, neues Potenzial, eine neue Geschichte.

Dann bist du der Übermensch und das Kind von Nietzsche.

Dann bist du Sisyphos von Camus.

Dann bist du das Lasttier von Peterson.

Dann bist du Harry Potter, Pinnochio, Batman und all die anderen Helden.

Dann bist du der, der alle Schrecken der Welt überkommt, sogar und ganz besonders die Schrecken des Todes.

Dann bist du der, der mit dem Potenzial für das Böse und das Gute geboren wird, sich aber letztendlich für das Gute entscheidet.

Dann bist du der, der alles und nichts werden kann, sich aber dazu entscheidet, jemand zu sein und zu werden.

Dann bist du der Held deiner Geschichte.

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus "KernElemente der Psyche".