Selbstachtung: Wie du selbst dein bester Freund wirst

Selbstachtung klingt nach Selbstliebe, doch wir meinen in der Psychologie etwas ganz anderes damit. Worum geht es genau? Und warum ist Selbstachtung das, was viele mit Selbstliebe meinen? Wie wirst du dein bester Freund, der für immer an deiner Seite ist? All das erfährst du in diesem Artikel.  

Laura's Erkenntnis

Als Laura in meine Beratung kommt, ist sie geknickt. Sie ist nicht depressiv, aber irgendwas frisst ihre Lebensfreude. Wir reden darüber, wie ihr die Energie fehlt, alltägliche Aufgaben zu erledigen. Nicht, weil sie nicht genug Zeit dafür hätte. Sie sieht einfach keinen Sinn darin. 

"Manchmal stehe ich vor dem Berg voller Geschirr und frage mich, wieso ich das überhaupt sauber machen sollte. Klar, weil ich es wieder brauche. Aber die ganzen Trivialen Aufgaben gehen mir einfach nur auf die Nerven."

Ich nicke.

"Was würdest du gerne stattdessen tun?", frage ich sie.

Sie schaut schrägt nach oben und denkt nach.

"Etwas, das mich erfüllt. Etwas, womit ich anderen eine Freude machen kann."

"Unsinn", werfe ich ein, "die meisten Freuden, die wir anderen bereiten, sind nur dafür da, dass wir uns wichtiger fühlen, dass wir uns gebraucht fühlen, dass wir die Anerkennung dafür bekommen, dass wir uns aufgeopfert haben."

Laura schaut mich mit einer Mischung aus Verwirrung und Wut an.

"Finde es selbst heraus, du musst mir nicht glauben", fange ich sie auf, "aber das, was du tust, weil du es für andere tust, hat die Grundmotivation, dich zu erfüllen. Es wird allerdings immer scheitern."

Laura blickt mich an, dann schaut sie wieder weg. 

"Was will ich stattdessen?", fragte sie mich, fast wie ein kleines Kind.

"Du bist in die Beratung gekommen. Was willst du?"

"Glücklich sein", sagte sie, doch es war mehr eine Frage.

"Nein, willst du nicht. Du willst nicht unglücklich sein. Deshalb versuchst du andere davon zu überzeugen, dass du es Wert bist, gemocht zu werden, weil du glaubst, das würde funktionieren. Die Anerkennung und der Dank anderer wird niemals die Anerkennung ersetzen, die du dir selbst gibst. 1000 Menschen, die dir sagen, wie großartig du bist, werden niemals den Wert in dir hervorrufen, den nur du in dir selbst hervorrufen kannst. Oder warum glaubst du, suchst du bei anderen immer wieder danach? Wenn es bei dem ersten Menschen, bei dem du es eingefordert hast, nicht funktioniert hat, warum tust du es dann immer wieder?"

Laura schaut auf den Boden.

"Wahrscheinlich, weil ich nie bemerkt habe, was ich da tue."

"Ja", sage ich,"deine Intention war gestört. Du hast es nie für andere getan. Wir tun selten etwas für andere, alles hat einen Preis. Wir tun etwas für andere, weil wir etwas dafür erwarten." 

Die Grundbedürfnisse

Nur du selbst kannst dir das geben, was du brauchst.

Nur du selbst kannst für dich derjenige sein, den du damals vielleicht gebraucht hättest. 

Stell dir vier kleine Pinguine in deinem Kopf vor, die jeweils eine Sache brauchen: 

  1. Freiheit
  2. Selbstwert
  3. Bindung
  4. Lustgewinn/Unlustvermeidung

Wenn jede dieser Figuren jeweils das bekommt, was sie benötigt, ist dein Seelenfrieden gesichert. Es ist, wie wenn du genug vom richtigen Essen isst, genug Wasser trinkst, genug schläfst. Dann ist dein körperliches Wohlbefinden gesicht. 

Das Problem:

Es gibt eine 5. Figur, die glaubt, sie könne den vier Figuren das geben, was sie brauchen, indem sie es von außen einfordert. Wir nennen sie "Ego".

Warum tut sie das?

Weil sie es damals, als du Kind warst, auch schon versucht hat, von außen einzufordern. 

Nämlich von deinen Eltern.

Wenn deine Eltern den vier Figuren nicht das gegeben haben, was sie brauchten, fordert sie es eben weiterhin von anderen Menschen ein, schließlich muss es ja irgendwann funktionieren. 

Doch sie scheitert immer.

Kindheit1

 

Die Alternative:

Wir ersetzen das Ego durch einen Erwachsenen, nämlich den, der wir heute sind. Wir können uns selbst um uns kümmern. Wir brauchen weder andere, noch unsere Eltern dazu.

Das ist der neue Weg.  

Selbstwert: Der Nebeneffekt

Selbstwert ist eines der vier psychischen Grundbedürfnisse.

Es wird ab der Geburt geformt und durch uns dann ab unserer Jugend durch unsere Handlungen beeinflusst.

Dieses Grundbedürfnis entscheidet darüber, wie du dich selbst betrachtest, wieviel du dir selbst in dieser Welt Wert bist und wirkt sich somit direkt auf dein Verhalten und Wohlbefinden aus. 

Bei all den Dingen, die du tust, geht es also nicht nur darum, gesund zu leben.

Du läufst nicht nur ein paar Runden auf dem Sportplatz, um sportlich zu sein.

Du ernährst dich nicht nur frei von Junk-Food, um fit zu bleiben.

Du kümmerst dich nicht nur um dein Stressmanagement, um psychisch fit zu bleiben.

All diese Dinge signalisieren dir selbst:

"Ich bin es mir Wert, mich um mich zu kümmern."

Der Psychologe Jordan B. Peterson sagte: "Behandle dich wie jemandem, dem du helfen musst."

Denn das musst du auch.

Niemand sonst da draußen wird sich um dich kümmern. 

Niemand sonst wird dir das geben können, was du brauchst.

Wenn du ein Haustier oder ein Kind hast, bekommst du diese Rückmeldung sofort.

Sie sind dir dankbar, dass du dich um sie kümmerst. 

Sie brauchen deine Fürsorge.

Doch nicht nur liebe Worte.

Deine Handlungen bestimmen viel mehr, ob sie das Gefühl haben, dass du ihnen wichtig ist. 

Deine Handlungen, die Dinge, die du für dich tust, bestimmen, wieviel du dir Wert bist.

Nicht die Worte anderer, die Dinge, die du kaufst oder dein Kontostand. 

Selbstwert ist die Rückmeldung, die du dir selbst gibst.

Immer wieder.

Es ist eines der 4 Grundbedürfnisse, die du bisher versucht hast, von außen zu befriedigen. 

Hat es funktioniert?

Fühlst du dich wirklich wertvoll?

Wenn nein, denke über einen Alternativweg nach. 

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