Aus dem Kellerloch fliehen

Aus dem Kellerloch fliehen

Nehmen wir an,

du wurdest entführt und in ein Kellerloch gesperrt.

Dein Leben lang befindest du dich schon dort,

eine Flucht ist hoffnungslos.

Du hast dich mit dem Zustand abgefunden,

deshalb ist selbst die Folter des Entführers zur Normalität geworden.

Jeglicher Ausbruchsversuch,

wurde unterbunden.

All deine Hoffnungen zerstört,

deine geringsten Anflüge einer Flucht,

sabotiert und manipuliert.

In deiner Verzweiflung jedoch,

fragst du den Entführer nach dem Schlüssel,

der die Tür zur Welt öffnen soll.

Du willst einfach nur wieder frei sein,

wieder Kind sein,

wieder unbeschwert leben.

Er macht dein Leben

komplex

hart

ungemütlich

Er gibt dir einen Schlüssel . . .

er passt,

man kann ihn drehen.

Du kannst es kaum glauben!

Es ist soweit,

endlich steht dir die Welt wieder offen.

Wieder das Gras riechen.

Wieder auf Bäume klettern.

Wieder verspielt sein.

Wieder mit Leichtigkeit leben.

Wieder Nähe zu Menschen zulassen.

Und dann öffnet sich die Tür.

Du greifst den Rahmen

und ziehst sie mit strahlenden Augen auf.

Ein Stich ins Herz.

Jegliches Glück verpufft,

wie ein Tropfen Wasser auf einer Herdplatte.

Du stehst vor einer weiteren Tür.

Alles war umsonst.

Und noch schlimmer:

Deine Hoffnung

deine Erwartung

dein Potenzial

verstärkt dein Leid.

Mit gesenktem Kopf schreitest du zurück,

nicht wirklich bereit für das,

was da auf dich wartet,

doch was hast du für eine Wahl?

Das ist dein Leben.

_______

Der Mensch sucht nach Lösungen,

um aus seiner Verzweiflung ausbrechen zu können.

Er fragt seinen Verstand nach einer Lösung,

er sucht eine auf dem unendlich großen Markt an Rezepten und Methoden,

er gibt sie dir,

er macht dir Hoffnung,

nur um dich wenig später wieder mit dem Gesicht auf den Boden zu drücken.

Der Mensch sucht eine Erlösung von seinem Leid,

daran ist nichts verwerflich.

Die Welt gibt ihm eine Lösung,

das ist verwerflich.

Der Entführer im Kopf des Menschen,

der ihn versklavt und in ein Kellerloch gesperrt hat,

wo er sein Leben lang verzweifeln soll,

hat kein Interesse daran,

dass der Mensch entflieht.

Er macht Hoffnungen, nur um sie kurze Zeit später wieder zerplatzen zu lassen,

er sabotiert jeden Ausbruchsversuch,

er manipuliert jede Handlung,

er erschafft Begierden nach Erlösung,

ohne eine Erlösung zu wollen,

da sie ihm gefährlich werden könnte.

Wieso spielt der Mensch da mit?

Im Kellerloch lebend,

hat er die Wahl:

Schaut er dem Peiniger, dem Psychopathen, dem Entführer,

in die Augen?

Erkennt er seine Spielchen?

Lässt er es zu?

Es gibt absolut nichts zu tun.

Handlung ist das Spielchen des Entführers.

Handlung ist die falsche Hoffnung.

Handlung IST sein Spiel.

Wenn er vor dir steht,

im Moment der Sabotage,

im Moment der Manipulation,

wenn du ihn erkennst,

wenn du ihn siehst,

wie er sich vor dir aufbäumt,

wie er dich anlügt und dir falsche Hoffnungen macht und dir vorgaukelt,

es gäbe eine externe Erlösung,

es gäbe ein externes Problem,

es gäbe eine externe Hoffnung irgendwo und irgendwann und irgendwie,

dann . . .

schau ihm einfach nur in die Augen.

Namaste.

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