Das Prinzip des Opferns

Manchmal ist uns zwar bewusst, dass wir wachsen und unser neues Selbst erschaffen müssen, doch dafür ist etwas in der Gegenwart nötig, etwas, das die Göttern zurfriedenstellt. Und unser Hormonsystem.

Nehmen wir an du gewinnst 100.000€.

Hier ein Rätsel:

Wie stellst du sicher, dass du das Ziel deines Gehirns (potenziell bessere Zukunft) erreichst, um Serotonin und Dopamin zu schaffen?

Du könntest es für Alkohol und Drogen ausgeben, für schnelles Dopamin. Ist das Dopamin abgeflacht, schließlich will Dopamin eine bessere Zukunft, keine bessere Gegenwart, ist deine potenziell bessere Zukunft hinüber. Und du vielleicht Alkohol - / und Drogenabhängig.

Zudem hattest du das Potenzial in der Dominanzhierarchie aufzusteigen, du hattest das Potenzial zu einer wirklich erstrebenswerten Zukunft, zumindest erschien sie nicht mehr so dunkel, unbekannt und chaotisch, wie zuvor.

Du hast es vermasselt.

Hätten deine Vorfahren so gehandelt, wärst du ausgestorben.

Adam und Evas Schicksal in die Zukunft zu blicken, legte uns das Schicksal auf, unsere Gegenwart für eine bessere Zukunft zu opfern.

Jagten unsere Vorfahren ein Mammut, konnten sie sich entweder unnötig die Mägen vollschlagen und den Rest wegwerfen, oder sie konnten einen Teil für die Gegenwart nutzen und den Rest

a) für soziale Kontakte nutzen, um in Zukunft etwas von anderen zurückzubekommen
b) kühlen und lagern, um in Zukunft mehr davon zu haben.

Tiere sind dazu nicht in der Lage.

Tiere können sich selbst nicht in die Zukunft projezieren.

Tiere können sich nicht ausmalen, was passieren würde, wenn sie weiterhin 10 Jahre ihrem verhassten Job nachgehen.

Tiere können sich nicht ausmalen, was passieren würde, wenn sie das gerade gejagte Reh nicht sofort fressen, sondern einen Rest aufsparen.

Tiere handeln instinktiv, sie sparen sich Belohnungen nicht auf, sondern nehmen, was JETZT da ist, denn möglicherweise gibt es kein DANN in der Zukunft.


Aufgrund unserer sozialen, sprachlichen und gesellschaftlichen Fähigkeiten sind wir Menschen nicht wie Tiere dazu gezwungen, alles sofort zu vernichten.

Wir können einen Teil davon aufsparen.

Und wir müssen sogar, denn es können und werden möglicherweise Zeiten kommen, in denen Entbehrung, Hunger und Leid herrschen.

Da ist es ganz gut, wenn wir nicht mit leeren Taschen dastehen.

Warum fällt es uns aber oft so schwer, etwas in der Gegenwart für eine Zukunft zu opfern?

Warum sind wir oft der Wolf, der das komplette Reh inklusive Knochen auffrisst?


Das Problem liegt in der Dominanzhierarchie:

Man muss in der Dominanzhierarchie aufsteigen, ansonsten gleicht das Gehirn das mangelnde Serotonin und Dopamin mit kurzfristiger Befriedigung aus.

Kehren wir das also ins Gegenteil um:

Man steigt in der Dominanzhirarchie auf und arbeitet auf ein Ideal, ein zukünftiges Ich, hin und entfernt dadurch das Bedürfnis nach kurzfristiger Befriedigung, da genug Seroton und Dopamin vorhanden ist.

Durch das Opfern steigt man zudem in der Dominanzhirarchie auf und erschafft mehr neue Ziele, wodurch man wieder mehr aufstiegt und wieder neue Ziele erschafft.

Dadurch entsteht eine "positive Rückkopplungsschleife", die das Opfern erleichtert und kurzfristige Befriedigung komplett aus der Welt schafft.

Damit aber nicht genug:

Dopamin und Serotonin wollen eine Zukunft, in der dein Überleben gesichert ist. Das Opfern in der Gegenwart ist also alleine schon genug, damit dein Serotonin'/ und Dopaminspiegel ansteigen.

Jedes Opfer ist ein Versprechen an eine bessere Zukunft und damit schon ein Aufsteigen in der Hrarchie. Der König, der die ausgehandelten Reichtümer sofort für eine bessere Inneneinrichtung seines Schloßes verpulvert, stürzt sein Volk ins Verderben und wird damit nicht nur von seinem Thron entbehrt, sondern auch von zukünftigem Reichtum. Sein Fall in der Hirarchie wird schneller sein als er das Gold ausgeben konnte. Der Aufstieg danach wird hart, sein Status als König ist hinüber. Entweder landet er im Gulag oder als Krokodillsfutter im Schlossgraben.

Du hältst das für übertrieben?

Schau dich um, genauso funktioniert die Welt.

Diejenigen, die sofortige Belohnung zu Gunsten einer besseren Zukunft für sich und andere, zurückhalten, sind diejenigen, die zukünftige Kämpfe und Gefahren leichter bezwingen werden. Sie sind diejenigen, die die notwendigen Waffen haben, um mögliche Monster bekämpfen zu können und klar ist, dass die kommen werden.

Wie groß muss das Opfer sein, dass du erbringst? Dass hängt ganz von der Struktur der Probleme ab. Einfache und überschaubare Probleme lassen sich mit einfachen und überschaubaren Opfern lösen, große und komplexere Probleme brauchen größere und komplexere Opfer.

Nehmen wir als Beispiel wieder unseren Helden Harry Potter:


Das Problem, vor dem er am Ende der Saga stand, war so unfassbar groß und komplex, dass das größte Opfer seinerseits notwendig war.

Manche Menschen opfern ihren Wohnort, Freundschaften, Geld oder Komfort, um ihre Ziele zu erreichen.

Manche schlichtweg alles, sodass am Ende nur noch die nackte Existenz bleibt.

Doch selbst DAS wäre für unseren Zauberhelden nicht genug gewesen, weshalb er mehr als all das opfern musste: Sein Leben.

Er geht in den verbotenen Wald, stellt sich vor seinen Antagonisten Voldemort, der damit drohte, jeden umzubringen, wenn Harry sich nicht freiwillig ergeben würde, und ließ sich von ihm töten.

Einer der Gründe, weshalb er letztendlich nicht starb, war genau dieses Opfer, auf die anderen Gründe gehe ich später im Kurs näher ein.

Was Rowling uns implizit, also wieder nicht direkt, damit sagen wollte:



Wer das größtmögliche Opfer erbringt und sich gleichzeitig mit dem größtmöglichen Chaos konfrontiert, der muss bereit sein, etwas in sich zu töten, bevor er dann wiedergeboren wird, wobei die Konfrontation mit dem größtmöglichen Chaos alle anderen mittelgroßen und kleine Chaose ebenfalls aus dem Weg räumt.

Harry war danach das Chaos los, das in ihm lebte.
Das Zaubererschloß Hogwarts war danach das Chaos los, das drohte, es zu zerstören.
Harrys Freunde, Schülerkollegen, alle Menschen, die ihm nahestanden und selbst die, die ihm nicht nahestanden, waren danach das Chaos los, das drohte, sie alle zu zerstören.
Und die Welt war danach das Chaos los, das drohte, sie zu zerstören.

Das größte Opfer war notwendig, um das größte Chaos aus der Welt zu schaffen.

Das ist heroisch.

Doch du musst nicht erst dein Leben in Gefahr bringen, um Chaos aus dem Weg zu räumen.

Harry Potter ist eine Geschichte, sie trägt Botschaften.

Für dich bedeutet das folgendes:




Welche Opfer kannst du jeden Tag erbringen?

Dafür musst du natürlich erst einmal den Ist-Zustand deines aktuellen Lebens kennen.

Ist dein Schloß von einem dunklen Magier bedroht oder müssten nur einmal die Hecken geschnitten werden?

Sei ehrlich zu dir selbst, die Realität kümmert sich nicht um deine Verdrehungen und Lügen, sie kennt die Wahrheit.

Wahrscheinlich gibt es genug zu tun und wenn du das Chaos lange genug ignoriert hast, hat sich zudem eine gewaltige Opferschuld angehäuft.

Wo könntest du heute beginnen?

Fange klein an, du bist schließlich kein Zauberer.

Frage dich: Okay, was gibt es, was ich für mich und die Menschen in Ordnung bringen könnte und müsste, um eine bessere Zukunft zu haben? Welches Chaos gibt es in meinem Leben, mit dem ich mich nicht konfrontieren will?

Was ist es, was du bisher ignoriert hast, obwohl du genau wusstest, dass du dich besser darum kümmern solltest?

Vielleicht ist es ein Mensch, der sich dir gegenüber nicht so verhält, wie du es gerne hättest.

Als Folge entsteht Chaos, in dir, in eurer Beziehung und durch euer Verhalten auch in anderen und somit in der Welt.

Was müsstest du also tun, um dieses Chaos in Ordnung zu bringen?

Was müsstest du sagen?

Jetzt liegt plötzlich die Last nicht mehr AUF dir, sie steht VOR dir.

Plötzlich wird aus einem unkontrollierbaren Chaos eine bewältigbare Ordnung, eine Verantwortung.

Manchmal reicht schon ein kurzes Gespräch, ein kleines Opfer, doch je größer das Chaos eurer Beziehung ist, desto größer muss das Opfer sein.

Vielleicht reicht es nicht einfach nur aus, dass du zu deinem Peiniger "nein" sagst, wenn er dich das nächste Mal drangsaliert.

Vielleicht musst du lauter und bestimmter werden.

Oder du hast in deinem Leben Chaos erschaffen, indem du einem Job oder einem Studium nachgehst, die du in Wahrheit hasst.

Etwas zu ignorieren schafft es nicht aus der Welt, das hast du ja spätestens bei deinem inneren Kind gesehen.

Wenn du etwas tust, das du hasst, wird dein Selbst kleiner, da du dich von deinem Potenzial und deinen Werten entfernst.

Wenn dein Selbst kleiner wird, steigst du in der Dominanzhirarchie ab.

Es ist also absolut kein Wunder, dass dich in einem Job, den du hasst, Zukunftsängste plagen, oder vielleicht sogar Panikattacken, Angststörungen oder Depressionen.

Es ist sogar völlig normal.

Du hast das absolute Recht dazu, Panik zu bekommen.

Sowas lässt sich nicht wegmeditieren, das Opfer ist einfach zu klein.

Du hast bereits im Kapitel über Dopamin folgendes gelernt:



In der Gegenwart auf etwas verzichten bedeutet in Zukunft mehr zu haben. Du hast Ressourcen bei möglichen Gefahren in der Zukunft und es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, das Gefahren kommen werden. Bist du vorbereitet, bist du ein wertvolles Mitglied für deine Gruppe. Serotonin.

Welches Opfer wäre notwendig, damit du das Chaos, vor dem du hier stehst, wieder in Ordnung bringen könntest?

Was wäre der nächste Schritt?

Höre auf darüber nachzudenken, wieviele Opfer dafür notwendig wären.

Denke an das NÄCHSTE Opfer.

Nimm dir den Himmelsplaner und plane deine nächsten Tage am Vorabend.

Gehe am nächsten Tag etwas an, das gerade so unangenehm ist, das du es definitiv angehen wirst.

Stapel klein, aber nicht nicht zu klein.

Dann gehe genau den Schritt am nächsten Tag, als ob es um dein Leben gehen würde, denn das tut es schließlich auch.

Jeder Schritt ist ein Ziel und ein Aufstieg, wie Sisyphos, der den Felsen rollte.

Jedes Opfer ist ein Teil der kommenden Opfer.

Ein Opfer ist nicht wichtig und gleichzeitig enorm wichtig.

Ein Opfer wird dich nicht wirklich weiterbringen, aber gleichzeitig motiviert es dich für die nächsten Opfer und die verändern deine komplette Gegenwart und deine Zukunft, die sich gegenseitig beeinflussen.




Täglich ein Opfer zu erbringen, in unterschiedlichen Formen, wird deine Persönlichkeit und dein Leben so verändern, dass du in einem Jahr schon viel weiter sein wirst und in 10 Jahren dein Leben nicht mehr wiedererkennen wirst.

Täglich kein Opfer zu erbringen, bringt dich nicht nur nicht weiter, es macht auch noch schlimmer, was bereits schlimm ist. In einem Jahr wird dein Leben schlimmer sein, in 10 Jahren so miserabel, dass du dein Leben auch dann nicht mehr wiedererkennen wirst.

Die Opfer, die du erbringst, sind notwendig, um das in Schach zu halten, was sich automatisch in Chaos verwandelt und dich am Ende wie eine Lawine verschüttet. Nicht Wenige überleben diese Explosion von Chaos nicht. Sie erscheint zwar wie ein Endpunkt, in Wahrheit ist sie natürlich eine kumulierte Ignoranz, ein angehäuftes Mischmasch an Vermeidungen und mangelnden Opfern.

Mit steigender Anzahl der Opfer wirst du dann selbstbewusster.

Größere Opfer werden dir leichter fallen, du wirst dich mehr wagen.

Deine Körperhaltung verändert sich, deine Mimik verändert sich, vielleicht verändert sich auch dein Umfeld.

Menschen sind im Schatten von Idealen beschämt, erwarte also keinen Beifall, wenn du dein Leben auf die Reihe bringst. Du hast etwas zu erreichen, du musst zu jemandem werden, primär für dich, sekundär aber auch für die Menschen, die du liebst.

Das ist keine Romantik, es ist ein Fakt.

Du erbringst Opfer, damit du dir, aber hauptsächlich den Menschen um dich herum, eine bessere Zukunft ermöglichen kannst.

Du bist derjenige, der bereit dazu ist, die Opfer zu erbringen, die notwendig sind, um das Chaos, das sich angesammelt hat und auch immer wieder ansammeln wird, abzutragen, zu verhindern oder in Ordnung zu verwandeln.