Die bewohnbare Realität

Die bewohnbare Realität

Wird die Erbärmlichkeit der Realität verdrängt, bleibt eine Erwartung, die nicht erfüllt werden kann. 

Absolutes, ständiges Glück wird zum auferlegten Mantra. 

"Ich möchte glücklich sein. Am besten immer. Erreiche ich das nicht, bin ich verzweifelt."

Welch irrsinniger Versuch, die Realität zu verbiegen. 

Welch bedeutungsloser Versuch, etwas gerade biegen zu wollen, dass bei jeglichem Versuch zurückschleudert. 

Die menschliche Existenz in Glück umwandeln zu wollen ist fast so, als würde man, benutzen wir die Worte Alan Watts' "Wellen mit einem Bügeleisen glätten wollen".

Die erbärmliche Existenz anzunehmen ist Hingabe. 

Das ist der spirituelle Akt. 

Die folgende Leere dann zu füllen ist Verantwortung. 

Das ist der psychologische Akt. 

Keines kann ohne das andere bestehen.

Wir können nicht kämpfen und Verantwortung übernehmen. 

Wir können aber auch nicht akzeptieren was ist und uns treiben lassen. 

Hingabe nimmt das Ego aus der Gleichung, das keinen Schmerz will. 

Verantwortung fügt dann genau das hinzu, was notwendig ist, um Bedeutung zu erschaffen. 

Die Erbärmlichkeit des Lebens bleibt. 

Du wirst dich weiterhin Situationen aussetzen, die unangenehm sind, die so schmerzhaft sind, dass es dich innerlich zu zerreißen droht. 

Doch was zur Hölle erwartest du?

Du bist ein Mensch. 

Du leidest also nicht nur jetzt, sondern auch damals und morgen. 

Du leidest in unterschiedlichen Zeiten. 

Und du nimmst wahr, dass du leidest. 

Das alleine ist die Definition von Hölle. 

Doch du bist ja auch nicht überrascht, wenn du ins Wasser fällst und nass wirst.

Wieso bist du also überrascht, dass das Leben erbärmlich ist?

Hör auf es mit deiner guten Laune oder Verleugnung zu verdrängen, das hat dich bisher auch nicht weitergebracht. 

Nimm an, was du nicht ändern kannst.

Das macht dich nicht unsterblich, aber besser als Nichts ist es allemal. 

Dann fülle das, was übrigbleibt mit Bedeutung. 

Was ist Bedeutung?

Alles, was deine Zukunft in eine bewohnbare Realität verwandelt. 

Dann ist das Leid, das übrigbleibt, zumindest nicht mehr so ganz unerträglich. 

Und du nicht mehr so weinerlich.