Das Konzept vom Ideal: Wie dein zukünftiges Ich dein Leben lenkt

Auszug aus dem multidisziplinären Online-Kurs "KernElemente der Psyche". 

Kapitel: "Das Konzept vom Ideal: Wie dein zukünftiges Ich deinem Leben Bedeutung gibt"

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Nachdem du dir deine Zukunft schriftlich festgehalten hast, hast du jetzt ein Idealbild.

Du hast ein Idealbild von dir selbst.

Du hast etwas, worauf du dich zubewegst.

Du hast etwas, was du potenziell werden könntest.

Doch das ist noch lange nicht alles.

Du hast etwas, was die Schrecken der Gegenwart rechtfertigt oder zumindest das Potenzial dazu hat.

Du hast etwas, was über dich richtet.

Es ist dein persönlicher Gott, wenn du keinen anderen Gott hast.

Oder ein zusätzlicher Gott.

Es ist dein mögliches, potenzielles Ich.

Es ist das Ich, das dich bei allem, was du tust, beobachtet.

Es ist streng, denn es spricht mit dir aus der Zukunft.

"Tu das nicht. Du weißt, wer du werden möchtest. Tust du das, wirst du niemals zu dem werden, was Ich bin."

Das ist keine Banalität.

Es ist ein Konzept, zu dem nur der Mensch in der Lage ist.

Nur der Mensch kann sich vorstellen, wer er seine könnte und dieses alternative, mögliche, zukünftige Ich über ihn richten lassen.

Die Zwecke des Ideals

1. Es gibt dir eine Richtung.

Ohne Ideal, keine Richtung. Wie willst du etwas treffen, wenn du nicht weißt, worauf du zielst? Wir Menschen sind aber Pfeile, die durch die Welt schießen: Wir treffen nur, was wir anvisieren.

2. Es richtet über dich.

Du weißt, worauf du dich zubewegst, also weißt du auch, was du besser nicht tun solltest, da du ansonsten von deinem Weg abkommst.

Was dein Ideal verurteilen kann:

1. Es verurteilt was du sagst, indem es dich beim Sprechen beobachtet. Es beobachtet dich dabei, wie du lügst. Es weiß, dass lügen in die Hölle führt, deshalb richtet es über dich. Das ist moderat ausgedrückt unangenehm.

2. Es verurteilt dich, wenn du anderen nur des Schmerzes wegen Schmerzen zufügst. Vielleicht, weil sie dir deine Unfähigkeit vorhält oder einfach, weil es dir Spaß bereitet.

Es lässt dich nachts schweißgebadet aufwachen, weckt das Monster in dir, dass du bei deinem jämmerlichen Versuch geweckt hast, und zwingt dich, ihm in die Augen zu schauen. Dann zwingt es dich, dir anzuhören, was für ein ekelhafter, moralisch fragwürdiger Mensch du bist.

Dann weckt es deinen inneren Kritiker, schließlich wartet der nur auf solche Ereignisse. Der holt dann alles hervor, was jemals zu dir gesagt wurde und wirft es dir ins Gesicht, einfach, weil es gerade passt.

Dann verflucht er dein inneres Kind.

Du bist jetzt nur einen Schritt von einer Krise entfernt.

Selbsthass wird noch dein geringstes Problem sein.

Da du die ganze Szenerie nicht erträgst, verfluchst du die Existenz und alle anderen Menschen.

Irgendjemand muss schließlich Schuld an der Hölle sein, die du jetzt durchlebst.

Du bist es schließlich nicht, oder?

3. Dein Ideal verurteilt dich, wenn du etwas tust, was dich potenziell davon abhalten könnte, ein schlechter Mensch und kein besserer Mensch zu werden.

Das Ideal hat nur eine Aufgabe und das ist, dich auf deinem Weg zu halten und der führt eben nur zu deinem persönlichen Ideal.

Kommst du nur ein Stück von deinem Weg ab, wirft es dich um und zeigt dir, das du den Weg verlassen hast.

Willst du das nicht hören, drückt es deinen Kopf in den Schlamm und lässt dich solange miserabel fühlen, bis du wieder freiwillig auf den Weg gehst.

Das Ideal in der Praxis

Nehmen wir an du planst für morgen mit dem Himmelsplaner deine Sportroutine, weil du dein ideal geplant hast (wo du in 3 Jahren, 90 Tagen, 30 Tagen sein willst).

Das ist deine Richtung, dein Potenzial. 

Da du deine alternative Hölle aufgeschrieben hast, weißt du auch, was passieren wird, wenn du es missachtest.

Dann gehst du zum Sport.

Während du deine Übungen machst, ist dein Ideal bei dir.

Es schaut dir zu.

Es motiviert dich, nicht aufzugeben.

Es zieht dich in die Richtung, die du geplant hast.

Es verhindert, wenn du abweichst.

Du wirst das "Bulls Eye" in der Mitte Zielscheibe treffen, entweder exakt, oder zumindest in der Nähe.

Ohne Ideal, würdest du entweder völlig daneben treffen oder gar nicht erst werfen.

Ohne Ideal würdest du deine Pizza essen, auf der Couch liegen bleiben, dein Feierabendbier trinken und fremde Menschen auf Instagram beleidigen, während du deine Kinder, Freunde und Familienmitglieder wie Tiere behandelst, weil dich dein Chef wie ein Tier behandelt und du nicht dazu in der Lage bist, dich korrekt zu verteidigen.

Du triffst dein Ziel nur, dank deines Ideals.

Das reicht zwar noch lange nicht aus, um deine Hölle zu verhindern, aber besser als nichts ist es allemal.

Dein Ideal rechtfertigt die Schrecken der Gegenwart und sogar die Schrecken der Vergangenheit. Es sagt dir:

"Okay, vielleicht war dein Leben bisher miserabel, vielleicht hast du bisher nicht viel auf die Reihe bekommen, aber damit ist jetzt Schluss. Schau dir an, wer du werden könntest. Schau dir an, wie es sich anfühlt, zu jemandem zu werden, den du beneidest. Schau dir an, wie es sein könnte, jemand zu sein, der du sein könntest, anstatt jemand zu werden, der du nicht sein willst."

Durch dein Ideal unterwirfst du dich etwas, das für dich, die Gesellschaft, die Spezies, und sogar für die ganze Welt von Wert ist.

Du unterwirfst dich nicht mehr der schrecklichen Existenz, für deren Opfer du dich hältst und überkommst dadurch alle Schrecken, die sie beeinhaltet.

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen."

- Albert Camus "Der Mythos des Sisyphos"

Vielleicht reicht das Anstreben deines Ideals aus, der manchmal schmerzhaften Realität seinen Schrecken zu nehmen.

Vielleicht reicht das Anstreben deiner möglichen Zukunft aus, all die Dinge, die geschehen, geschehen sind und geschehen könnten, in den Schatten zu stellen.

Vielleicht reicht das Anstreben dessen, was du werden könntest, aus, dir das zu geben, was notwendig ist, um, wie Nietzsche sagte, "Hinüberzugehen", nachdem du "untergangen" bist.

Ein Ideal gibt deinem Leben eine Bedeutung.

Dein Leben mag dann zwar noch bedeutungsloses Leiden enthalten, aber es besteht zumindest nicht mehr nur daraus.

Wenn du deine Zukunft aktiv erschaffst, was verdammt leidvoll sein wird, schaffst du Bedeutung.

Dieses bedeutungsvolle Leiden reicht aus, dem restlichen bedeutungslosen Leiden seine Stärke zu nehmen.

Ab sofort sorgst du dafür, dass du größer bist, als das Leid der menschlichen Existenz.

Und kleiner als dein zukünftiges Ideal.

Ab sofort sorgst du dafür, dass du nicht nur ein wertvoller Bestandteil der menschlichen Spezies bist, sondern auch für die Menschen, die dir am nächsten stehen.

Näher wirst du dem Himmel nie kommen.

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