Warum der Mensch nie irgendwo ankommt

„Nur noch die richtigen Sportklamotten.

Nur noch die richtige Ernährungsweise.

Nur noch der richtige Mensch.

Nur noch die richtige Methode.

Nur noch der richtige Ort.

Nur noch der richtige Beruf.

Ja dann fange ich endlich an.

Dann werde ich endlich starten.

Dann werde ich endlich glücklich sein."

Der Verstand liebt es, Probleme mit Probleme zu lösen.

Er liebt es, Methoden zu verwenden.

Er liebt es, noch mehr Leid zu erschaffen.

Er sagt:

"Leid ist Teil deines Lebens. Das Leben besteht aus sehr viel Leid. Also brauchst du sehr viele Methoden und die müssen sehr kompliziert und verwirrend sein."

So geht der Mensch dann durch das Leben.

Er hasst sich selbst so sehr, dass er sich Methoden auferlegt, die ihn tyrannisieren:

"Wache morgens um 4 Uhr auf, du Idiot!"

"Dusche kalt. 8x am Tag."

"Kein Schmerz, keine Erleuchtung."

Äußere Methoden, die inneres Erwachen hervorrufen sollen, sind nutzlos.

Es ist ein Trick des Verstandes, wohl der beste Trick aus seiner Trickkiste:

"Probiere das, was wird schon funktionieren."

Das meiste "probieren" ist  in Wahrheit "vermeiden".

Denn Methoden imitieren und ignorieren die eigentlich notwendige Erfahrung.

Der Mensch imitiert Lösungen mit "Fake-Lösungen" und ignoriert dabei die Wahrheit.

Er probiert und testet und versucht und vermeidet.

Er rennt, doch der Versuch wird scheitern.

Er kauft sich ein neues Auto, ein neues Handy, einen neuen Computer, weil das endlich sein Problem lösen wird.

Dann zurück ins Leid.

Er liest ein Buch, schaut ein Video, hört einen Podcast.

Dann zurück ins Leid.

Er hilft anderen, meditiert, betet.

Dann zurück ins Leid.

Der Mensch probiert, weil er die Wahrheit nicht erträgt.

Er schafft Leid, anstatt es zu spüren.

Erleuchtung ist die höchste Form des Glückes.

Bedeutungsloses Leiden ist die höchste Form des Leidens.

Alles dazwischen ist "probieren".

Je näher man Erleuchtung kommt, desto größer das Maß an freiwilliger Konfrontation mit innerem Leid.

Manchmal ist es Wahrnehmung, manchmal ist es Akzeptanz, manchmal ist es Konfrontation.

Und selbst dann wird der Mensch stolpern und probieren, denn irgendwo "da draußen" muss doch die Lösung sein.

Wenn er sie nicht im einen findet, wird er sie eben in etwas anderem finden, also sucht er weiter, bis er irgendwann stirbt, wobei er sich immer wieder zugesagt hat:

"Naja, wenigstens habe ich es probiert."