Wieso unsere Vorfahren nie depressiv waren

Irgendwo auf der Erde.

Die Menschheit existiert bereits seit mehr als 5 Millionen Jahren.

Es würde noch mehr als eine Million Jahre dauern, bis wir uns im aktuellen Jahr befinden.

Wir treffen einen Jäger, der lebte, wie alle unsere Vorfahren lebten ....

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Wir müssen jagen gehen. 

Schon wieder. 

Die letzte Jagd versorgte meine Frau und meine zwei Kinder für einen Tag mit essen. 

Unser aktueller Unterschlupf hält den neuen Witterungsbedingungen nicht stand. 

Wir müssen also auch weiterziehen. 

Da drüben hinter der nächsten Tundra soll es einen Platz geben, der uns vor Kälte und Regen schützt, das hat mir ein Freund erzählt, dessen Frau kurz danach von Wilderern erstochen und ausgeraubt wurde.

Es ist keine gute Idee, zu viel zu besitzen, deshalb halten wir uns bedeckt.

Wir jagen nur für 1-2 Tage.

Wenn es das Wetter zulässt.

Unser ältester Sohn ist schon 8 Jahre alt, er kann mitlerweile mit mir auf Jagd gehen.

 

Die Hälfte des Tages besteht aus der Herstellung und Verbesserung der Waffen.

Die restliche Zeit geht für das Beobachten der Tiere drauf.

Oder für den Ausbau unseres Unterschlupfs.

Manchmal liegen wir über 10 Stunden im hohen Gras und warten und warten.

Vor einigen Monaten lagen wir solange in der Kälte, bis mir der rechte, große Zeh abgefroren war.

Nun bin ich langsamer im rennen, mein ältester Sohn muss das jetzt für mich übernehmen.

 

Ich wünschte, wir hätten genug essen für mehrere Tage, nicht nur für einen Tag.

Das Jagen ist anstrengend, wir verletzen uns andauernd, wir werden krank.

Wenn eine Person von uns ausfällt, steht unser Leben auf dem Spiel.

Wir wissen: Wir brauchen sofort essen, denn was morgen sein könnte, das wissen nur die Götter.

Wie befreiend wäre es, Nahrung für mehrere Tage zu haben.

Wochen wäre ein Luxus.

Monate, das wäre unmöglich.

Man würde uns bestehlen, mal abgesehen von der Unmöglichkeit der Lagerung.

Ob es irgendwann Menschen geben wird, die Nahrung für mehrere Monate haben würden?

Oder sogar einen Unterschlupf?

Was würden diese Menschen dann den ganzen Tag tun?

Wir sind ständig damit beschäftigt, nicht zu sterben, wir opfern andauernd unsere Gegenwart für unsere Zukunft.

Unser Ziel ist das nackte Überleben.

Immer.

 

Was, wenn all das wegfallen würde?

Was würde uns dann Bedeutung geben?

Wie schön und grausam ist nur die Vorstellung einer sicheren Zukunft, 

die einem die Notwendigkeit abnimmt, 

seine Gegenwart für diese zu opfern.

Wie schön und grausam ist nur die Vorstellung, 

nichts mehr tun zu müssen,

das Bedeutung hat,

nichts mehr, 

 

was das eigene Überleben und das der Liebsten gewährleistet?

Welche Langeweile und Leere würde dann entstehen?

Womit würde man diese Leere füllen?

Was, wenn nichts mehr relevant wäre,

weil die einzige Beschäftigung die wäre,

sinnlosen Aufgaben nachzugehen,

um zu vermeiden,

dass einen die Leere auffrisst, 

die ich noch nie in meinem Leben gespürt habe.

 

Was füllt Leere?

Was ist Leere?

Ich weiß es nicht.

Ich werde es nie wissen.

Doch die letzten Jahre oder Monate meines Lebens, 

werde ich mich darum kümmern, 

stark und gesund zu bleiben, 

denn das sichert mir mein Leben,

und das meiner Liebsten.

Das ist meine Bedeutung.

Das ist mein Leben.