Paradies, Realität und Potenzial: Wer bin ich? Und wer könnte ich werden?

Die Vertreibung aus dem Paradies und die Entstehung des Bewusstseins

Zuerst unterliegt Eva ihren tierischen Begierden.

Sie isst die verbotene Frucht.

 

Peterson

(Jordan B. Peterson, in der Mitte, die verbotene Frucht. Zeichnung von NickSenium)

 

Dann gibt sie ihn Adam.

Adam erwacht, was meint, dass er ein Bewusstsein entwickelt.

Zum ersten Mal nimmt er wahr, dass er nackt ist.

Scham entsteht.

 

Vertreibung

(Vertreibung aus dem Paradies, aus der Genesis)

Adam, die Petze, schiebt alles auf Eva.

Gott hat auf dieses kindische Verhalten gar keine Lust.

Er sagt Eva, dass sie nun unter Schmerzen Kinder gebären und von Männern tyrannisiert werden soll..

Daraufhin erwacht auch sie.

Adam sagt er, dass er sich gegen andere Männer durchsetzen und für sich und seine Familie unter lebensgefährlichen Gefahren sorgen muss.

Schöne Scheiße.

Das Bewusstsein öffnet den Beiden die Augen, im wahrsten und übertragenen Sinne. 

Sie können weit sehen, visuell und auch in die Zukunft.

Sie können jetzt die ganzen Katastrophen vorhersagen, die eintreten könnten, wenn sie ihr Verhalten nicht entsprechend anpassen.

Deshalb werden sie für den Rest ihres Lebens die Gegenwart für die Zukunft opfern müssen.

Sie müssen Vergnügen und Sicherheit hinten anstellen.

Sie müssen arbeiten.

Und es wird hart werden.

Dann wirft Gott, der Spielverderber, die beiden aus dem Paradies, raus aus dem triebgesteuerten Tierreich, rein in den Horror der menschlichen Realität.  

Die menschliche Realität: Verzweiflung und Potenzial

Jetzt stehen wir hier. 

In dieser wundervollen und schmerzhaften Realität. 

Voller Chaos und Ordnung. 

Voller Schmerz und Freude. 

Chaos entfaltet sich automatisch, vor allem dann, wenn wir es versuchen zu ignorieren. 

Deshalb müssen wir unser wachsames, wahrnehmendes Auge, das wir nun haben, da Eva etwas Hunger hatte, immer wachsam benutzen. 

Wir müssen aufmerksam demgegenüber sein, was bösartig sein könnte und demgegenüber, was vielversprechend sein könnte. 

Horus, ein Hauptgott des Alten Ägypten, symbolisiert mit seinem Adlerkopf genau diese wohl wichtigste Errungenschaft unserer Spezies: 

Unsere Sinne auf das zu richten, was sich vor uns anbahnt, wie schrecklich oder schön es auch sein mag.

Horus

(Horus)

 

Sobald etwas unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, müssen wir danach greifen, willentlich und wissentlich, manche Regeln dafür brechen zu müssen.

Das ist Potenzial.

Du wählst nicht, was dein Potenzial ist.

Es wählt dich.

Potenzial manifestiert sich in Wachstum. 

Sowohl Wachstum, als auch Potenzial, erleichtern uns das, was wir dank Adam und Eva (im mythologischen Sinn) auf uns nehmen müssen, nämlich das Chaos des Lebens. 

Es ist pure Ordnung. 

"Stell dir vor, wer du sein könntest. Dann arbeite zielstrebig daraufhin", ist eine der Regeln aus Jordan B. Petersons neuem Buch "Beyond Order".

Darin schreibt er, dass Potenzial, der Vorläufer von Wachstum, genau wie Verzweiflung, der Vorläufer von Stillstand, wie ein Brief ist, dessen Absender wir kennen und der entweder etwas extrem Negatives oder etwas extrem Positives zu bringen scheint. 

Wirst du dich dem stellen, was sich darin verbirgt?

Oder wirst du ignorieren, was du weißt, und vorgeben, als ob alles in Ordnung sei (obwohl du aufgrund deiner Angst weißt, dass es nicht in Ordnung ist) und dadurch den körperlichen und psychischen Preis zahlen?

Beides erfordert erst einmal Chaos, egal ob positiv oder negativ. 

Doch wie damit umgehen?

Das runde Chaos: Potenzial und Schmerz vereint

In der Mythologie der Alchemisten spielt das "runde Chaos" eine elementare Rolle. 

Chaos

(Das runde Chaos)

 

Zuerst erkennst du, was dich interessiert.

Dann ignorierst du manche Regeln und greifst danach (der Ball). 

Dann lässt es seine Informationen frei, die in sich selbst und in dir stecken.

Daraus entfaltet sich dann die Welt, wie du sie neu erkennst, im Außen und im Innen.

Dann manifestieren sich Gefahren und Möglichkeiten, ebenfalls im Außen und im Innen (der Drache).

Durch Chaos und Ratio, durch Ordnung und Emotion, vervollständigt sich das Potenzial in dir und in der Welt (Sonne und Jupiter).

Doch diese Konfrontationen mit Gefahren und Möglichkeiten, manifestiert sich das Potenzial in der Welt, wodurch es neue Möglichkeiten anzieht und neue Elemente deiner Persönlichkeit freigibt.

Fazit: Wie werde ich der Held meiner Geschichte?

Es hilft nicht, sein Leben nur zu strukturieren, zu routinieren, zu planen. 

Wir müssen uns auch dem aussetzen, was in uns steckt, es in die Welt bringen, es zuerst in uns durch Konfrontation mit dem Unbekannten entfalten und vergrößern und uns gleichzeitig den Gefahren stellen, die sich dadurch automatisch entwickeln und es dann nach außen tragen.

"Mit Wille und Glück wirst du der Held deiner Geschichte, der disziplinierte Wanderer, der kreative Verwandler und der Wohltäter deiner Familie und der breiteren Gesellschaft sein", schreibt Peterson weiter. 

Der Held, der Wanderer, der Verwandler, der Wohltäter, ist nicht jemand, der sich darüber beklagt, dass Adam und Eva illegal eine Frucht gegessen haben. 

Es ist jemand, der die Aufgabe, die ihm, wie Sokrates sagte, schon vor seiner Geburt gegeben wurde, an die er sich nur "erinnern" muss.

Was ist es, woran du dich erinnern sollst?

Was ist es, was deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, sowohl positiv, als auch negativ?

Was ist der Drache, der genau das beschützt und was musst du tun, damit er  dich nicht weiter davon abhält?

Wer bist du, wenn du tust, was du vermeidest und wer könntest du sein, wenn du tust, wovon du weißt, dass du es tun solltest?